Tierskandal in Bad Grönenbach

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Ermittlungen gegen dritten Viehbetrieb laufen

Die Memminger Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch gegen einen dritten Landwirt aus Bad Grönenbach wegen des Verdachts der Tierquälerei.

Das bestätigte Pressesprecher Sebastian Murer:

Auch hier wurden drei Wohnungen und drei Stallungen in Bad Grönenbach und Dietmannsried durch über 60 Polizeibeamte und mehrere Staatsanwälte und Veterinäre nach Beweisen durchsucht.

Die Auswertung des sichergestellten Materials wird allerdings Monate in Anspruch nehmen.

Dieser Landwirt soll rund 400 Tiere besitzen.

Zweiter Großbetrieb steht unter Tierquälerei-Verdacht

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln aktuell gegen einen weiteren großen Milchviehbetrieb aus Bad Grönenbach.

Auch hier besteht der Verdacht, dass Kühe gequält werden.

Die Polizei hat den Hof in Bad Grönenbach, eine Außenstelle in Altusried und drei Wohnungen nach Beweisen durchsucht.

Über 50 Polizeibeamte, Staatsanwälte und Amtstierärzte waren im Einsatz.

Laut Staatsanwaltschaft leben auch auf dem zweiten Hof in Bad Grönenbach über 1000 Tiere.

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Wie konnte das alles soweit kommen?
Gab es Absprachen zwischen dem Bauern und dem Landratsamt?
Wer kümmert sich jetzt um die Tiere?

Wir haben für euch beim Landratsamt nachgehakt:

 

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SOKO "Fundus" ermittelt

Die Polizei hat zusammen mit der Staatanwaltschaft die SOKO "Fundus" gegründet. Rund 30 Beamte kümmern sich ab jetzt nur noch um diesen speziellen Fall.

Die Polizei ermittelt aktuell gegen den Betreiber des Milchviehbetriebes, fünf seiner Mitarbeiter und drei Hoftierärzte.

Alle werden der Tierquälerei verdächtigt.

Im Zuge der Ermittlungen sind über 20 Örtlichkeiten durchsucht worden. Darunter Tierarztpraxen, Wohnungen und Bauernhöfe.

Dazu der Leiter der SOKO "Fundus" Michael Haber:

 

 

Für viele kamen diese Kontrollen zu spät, denn der Beschuldigte hätte ja Beweismittel verschwinden lassen können.

Die Antwort von Michael Haber:

 

Neue Zahlen kommen ans Licht

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat neue Zahlen veröffentlicht.

Die Behörde hat den Betrieb in Bad Grönenbach und mehrere andere Unterbetriebe mehrmals kontrolliert.

Demnach seien über die Hälfte der 1800 Milchkühe behandlungsbedürftig gewesen.

Dazu Dr. Martina Sedlmayer vom LGL:

 

 

Allerdings kam für manche Tiere jede Hilfe zu spät.

 

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Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz sieht dem ganzen Fall sehr positiv entgegen - allerdings gibt es auch einige Sachen zu bemängeln.

Das ganze Interview gibt's hier:

 

Das Veterinäramt am Landratsamt Unterallgäu steht weiterhin massiv in der Kritik.

Die SOKO Tierschutz behauptet, dass sich die Veterinäre vor Kontrollen angekündigt hätten.

Die Memminger Staatsanwaltschaft wird in diese Richtung allerdings vorerst nicht explizit ermitteln.

Pressesprecher Thomas Hörmann:

 

Die Hintergründe

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Seit Anfang Juli ist bekannt, dass beim größten Milchviehbetrieb Bayerns Kühe über Wochen hinweg geschlagen, getreten und zu Tode gequält worden sein sollen.

Das belegen Videoaufnahmen der Tierrechtsorganisation "SOKO Tierschutz".

Der Landwirt selbst hat sich bis heute nicht zu diesen schweren Vorwürfen geäußert.

Dem Landwirt sollen insgesamt über 2800 Tiere gehören.

Er ist bereits in der Vergangenheit wegen Vergehen gegen das Tierschutzgesetz auffällig geworden.

Die Chronik der Ereignisse

Die ersten Konsequenzen

Die Käserei Champignon aus Lauben bei Kempten hat die Zusammenarbeit mit dem Milchbauern sofort beendet.

Auch der Schlachthof Vion in Buchloe nimmt bis zur vollständigen Aufklärung keine Kühe mehr vom Hof an.

Der Umweltausschuss im bayerischen Landtag hat sich Ende Juli zu einer Sondersitzung getroffen.

Die Kontrollen solcher Massenbetriebe sollen verstärkt werden.

 

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Die Lage vor Ort

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Der Hof ist weitestgehend abgeriegelt.

Bauzäune versperren die Zufahrten, überall wird auf Kameraüberwachung hingewiesen.

Die Polizei fährt verstärkt Streife.

Heftige Kritik an den Behörden

Die Kritik am Veterinäramt am Landratsamt Unterallgäu wird lauter.

Die SOKO Tierschutz und eine regionale Tierärztin behaupten, der Hof sei nicht ordentlich kontrolliert worden.

Dem stellt sich Landrat Hans-Joachim Weirather ganz entschieden entgegen.

In den letzten 5 Jahren habe es über 30 unangekündigte Kontrollen gegeben.

Die vorhandenen Missstände seien jedes Mal beseitigt worden.

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Die Bedrohungen nehmen zu

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In den sozialen Netzwerken wird gegen den Landwirt und dessen Mitarbeiter gehetzt.

Die Polizei hat angekündigt, konsequent gegen Hasskommentare vorgehen zu wollen.

Auch vor Ort nimmt die Bedrohung zu. Laut Staatsanwaltschaft sei ein vermeintlicher Tierschützer mit einem Messer auf den Hof spaziert und hat eine Person "aus dem Umfeld" des Landwirts mit diesem bedroht.

Auch ein hetzerisches Banner an der Autobahnbrücke von Bad Grönenbach wurde bereits entfernt.

Allerdings schreibt auch die SOKO Tierschutz von Drohungen gegen ihre Tierschützer.

Das sagt der Bürgermeister

Für die Gemeinde Bad Grönenbach und für Bürgermeister Bernhard Kerler sind diese negativen Schlagzeilen nur ganz schwer zu verdauen.

Er hofft, dass alles schnell und lückenlos aufgeklärt wird.

Er hätte nicht erwartet, dass dieser Fall solche Dimensionen annimt.

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Warum tun Menschen sowas?

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Diese Frage haben wir uns in der Redaktion auch gestellt.

Was bewegt Menschen dazu, Tiere auf solch bestialische Art zu Quälen?

Unser Wettermax hat mit dem Memminger Psychlogen Andreas Elsen gesprochen:

Großdemonstration vor dem Skandalhof

Am Sonntag, den 14. Juli gab es zudem eine große Demonstration, die sich für die Schließung des Großbetriebs ausgesprochen hat.

Ersten Schätzungen zu Folge waren über 800 Menschen aus ganz Süddeutschland vor Ort.

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